Robert Graf

Der Gedanke an eine Auszeit … dann Businessplan für Familienzeit, Fulltimejob Kinderbetreuung und nach dem gewonnenen Abstand beruflichen Höhenflug, das sind die Erfahrungen eines aktiven Vaters, der einmal - über die Zeitspanne eines Urlaubs hinaus - sich ausschließlich der Familie bzw. seinem Kind widmen wollte...

 

Warum Väterkarenz?

Ich wollte mich einmal - über die Zeitspanne eines Urlaubs hinaus - ausschließlich auf meine Familie bzw. mein Kind konzentrieren und den damit verbundenen Alltag erleben, sowie die Beziehung zu meinem Kind intensivieren. Aber auch der Gedanke an eine Auszeit vom Beruf nach 16 Jahren durchgängiger Anstellung waren Teil der Entscheidung. Und nicht zuletzt auch die Angst eine Chance die in dieser Form nie wieder kommt, ungenutzt verstreichen zu lassen. Die Zeit mit unseren Kindern vergeht ohnehin viel zu schnell.

Businessplan für Familienzeit

Da man für die Zeit der Karenz auf einen sehr großen Teil der gewohnten Einkünfte verzichtet, aber sämtliche laufenden Kosten bestehen bleiben, bedarf es eines "Businessplans" um die finanziellen Einbußen zu überbrücken. In meinem Fall durch Einschränkungen während der Karenz und Sparmaßnahmen schon im Vorfeld. Mit der Akzeptanz im Unternehmen gab es bis auf vereinzelte kritische Stimmen keine Probleme. Letztendlich muss man die Entscheidung unter Berücksichtigung privater und beruflicher Interessen für sich persönlich treffen und durchziehen.
Der Ausstieg in die Karenz war detailliert geplant, Projekte wurden vorgezogen oder verschoben, Linienarbeit auf die durchwegs verständnisvollen Kollegen verteilt. Durch einen externen Zugriff auf das Intranet und meinen eMail-Account konnte ich mich auf dem Laufenden halten und in Kontakt mit den Kollegen bleiben. Das hat letztlich auch den Wiedereinstieg ins Berufsleben sehr erleichtert. Unternehmen, die Väterkarenz anbieten, können auf Dauer zufriedenere und dadurch motiviertere Mitarbeiter erwarten, wenn diese ihrem Wunsch nach Beteiligung an der Karenz mit dem sicheren Rückhalt des Unternehmens nachkommen können. Das bedeutet ein insgesamt besseres, freundlicheres Betriebsklima und damit höhere Produktivität und geringere Ausfälle.

Beruflicher Höhenflug

Durch den gewonnenen Abstand zum beruflichen Alltag haben nach dem Wiedereinstieg sowohl meine Motivation als auch die Kreativität einen Höhenflug erlebt. Denn meine Auszeit hat auch dazu geführt, dass ich eingefahrene Strukturen grundsätzlich überdacht und vieles neu bewertet habe. Das familiäre Zusammenleben hat ebenfalls profitiert. Man lernt nicht nur besser zu schätzen, was derjenige leistet der sonst mit der ständigen Kinderbetreuung befasst ist, sondern entwickelt ein besseres Verständnis für die damit verbundenen Herausforderungen. Das führt zu einem entspannteren Familienleben, das wiederum dazu beiträgt, dass man im Beruf leistungsfähiger ist.
Kinderbetreuung ist ein höchst fordernder Fulltime-Job, der in der allgemeinen Wahrnehmung unterschätzt ist. Das drückt sich nicht zuletzt im meiner Meinung nach viel zu geringen Kinderbetreuungsgeld aus. Unsere Kinder sind unsere Zukunft und sollten unserer Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft finanziell und zeitlich mehr wert sein. Denn ohne unsere Kinder sind letztendlich ALL unsere Anstrengungen sinnlos.

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