Roman Beisser

Mehr Nähe zum Kind im prägenden Alter... mehr Zeit für die Tochter - ein Pionier der Väterkarenz berichtet, was ihn zu dieser Entscheidung bewogen hat und was er letzendlich davon hatte: "Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte"...

Warum Väterkarenz?

Ich wollte mehr Nähe zu meinem Kind in diesem prägenden Alter haben. Mehr Zeit mit meiner Tochter verbringen. Eine "spezielle" Zeit mit meiner Familie verbringen. Ich bin nicht am Ende sondern während der Karenzzeit meiner Frau in Väterkarenz gegangen. Ich habe die Zeit gewählt, in der "weniger" Arbeit bei mir anfällt. Es gab noch nicht viele Erfahrungen in unserer Abteilung mit "Väterkarenzlern". Ich war erst der zweite, der dies in Anspruch genommen hat. Man hat einmal keine Ahnung, schlägt sich aber nach eingehenden Recherchen durch. Wirklich leicht wird es einem nicht gemacht, da könnte schon mehr "automatisiert" sein.
Da ich auch sonst ein "Windelwechsler" bin, mit dem Kind auch sonst Zeit verbringe etc. war die Umstellung nicht wirklich schwierig. Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.

Väterkarenz in Anspruch zu nehmen ist nach wie vor hauptsächlich ein "Privileg" von öffentlich Bediensteten, und einer derer bin ich. Nicht, dass es schon selbstverständlich wäre und nicht, dass es besonders einfach wäre, den Dschungel der Antragstellungen beim Dienstgeber und Beantragungen bei der Krankenversicherung, Anmeldungen und Abmeldungen etc. zu durchdringen, aber es ist in Ordnung (da gäbe es noch einiges zu vereinfachen, z.B. einen LEITFADEN für Väterkarenzler zu erstellen: Wann muss ich was bei wem wie beantragen etc. - in diesem Zusammenhang auf keinen Fall die Arbeitnehmerveranlagung für das betreffende Jahr vergessen, da bekommt man einiges vom FA zurück).

Viele würden gerne gehen

Viele andere Väter würden auch gerne in Karenz gehen, aber das ist schlichtweg bei Privat-Angestellten nicht möglich. Kommt ein Mann zum privaten Dienstgeber mit dem Ansinnen, drei Monate in Väterkarenz gehen zu wollen, dann fragt dieser ihn zu 90 % oder mehr, ob er auch vorhat, nach dieser Zeit wieder im Betrieb zu arbeiten. Was impliziert, dass der Dienstnehmer mit der Beendigung des Dienstverhältnisses zu rechnen hätte.
Dazu kommt der Arbeitsdruck, die Konkurrenz innerhalb von Firmen. Drei Monate "weg zu sein vom Fenster" ist für manche viele gleichzusetzen mit einer "Degradierung", weil dann ein/e andere/r Mitarbeiter/in seinen Job übernehmen wird.
Das betrifft natürlich auch die Frauen in gleichem Maße und noch viel mehr, da diese ja, und niemand sonst, die Kinder kriegen…
Und dazu kommt noch, dass die Väterkarenz für die Familie leistbar sein muss. Denn leider ist es so, dass noch immer meistens der Mann mehr wenn nicht sogar entscheidend mehr verdient als die Frau.
Ein weiterer Aspekt ist, wann man die Väterkarenz antritt. Ob zum Ende der Karenz-Zeit der Frau (wenn diese vielleicht schon wieder zu arbeiten beginnt…) oder "zwischendurch". Ein weites Feld. Bezogen auf die Väterkarenz muss noch viel in der Einstellung der Führungskräfte von Unternehmen geändert werden.
Wie? Das ist eine andere Geschichte ;-)

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