Mag. Gerald Thallauer

Vom Freizeitpapa zum rund-um-die-Uhr-Vater ... ganz ohne Karriereknick. Wie das zu bewerkstelligen ist und worauf es ankommt, erzählt ein Jurist und Vater von zwei kleinen Töchtern...

Ausgangslage und Wunschvorstellungen

Als vollbeschäftigter Jurist in der Landesverwaltung und Vater (Jahrgang 1961) von zwei Töchtern (geb. 2005 bzw. 2007) war es mir ein besonders Bedürfnis über den Sommer des Jahres 2009 für 3 Monate Väterkarenz in Anspruch nehmen zu können. In der Vergangenheit waren nämlich auf Grund des Pendlerdaseins zwischen Wien und St. Pölten und des Lebensalters der Kinder gemeinsame Unternehmungen mit ihnen vorwiegend auf die Wochenenden oder den Urlaub beschränkt. Die eigenen (zurückgeschraubten) Bedürfnisse und die notwendige Regeneration vom Arbeitsalltag lassen darüber hinaus nicht die Zeit, die man sich für die eigenen Kinder gerne wünschen würde. Weiters war es mir ein Anliegen und eine Herausforderung, mit den Kindern einen durchgehenden gemeinsamen Zeitraum im gemeinsamen Rhythmus zu verbringen, wo es nicht primär von unbestimmbaren Faktoren abhängt, ob und in welchem Ausmaß man sich den Kindern widmen kann. Ich wollte einfach den Schritt vom "Freizeitpapa" zum "rund um die Uhr Vater" tun und so meine Kinder im Tages-, Wochen- und Monatsablauf mit ihren Wünschen, Problemen, Vorlieben und Gewohnheiten erleben und begleiten, sowie ihre rasanten Entwicklungen über einen kurzen Zeitraum beobachten und spüren, aber ihnen auch meine Werthaltungen und Interessen vermitteln. Außerdem war es mir wichtig, den Ablauf mit den Kindern mehr oder weniger in Eigenverantwortung gestalten zu können, aber auch die Ehegattin vermehrt im Haushalt zu unterstützen.
Natürlich galt es vor Antritt der Väterkarenz mit der Familie, dem Arbeitgeber, den Vorgesetzen und den Arbeitskollegen und -kolleginnen das Notwendige abzuklären bzw. vorzubereiten, um niemanden - auch sich selbst nicht – weder vor noch nach der Karenzzeit in unnötige Schwierigkeiten zu bringen. Besonders erfreulich war, dass es innerhalb der Familie und auch von Seiten der Arbeit nur lauter positive Signale gab, ja der Schritt zur Väterkarenz sogar aktiv unterstützt wurde. Sicherlich spielte dabei auf Seiten des Landes NÖ eine nicht unwesentliche Rolle, dass es sich dabei um einen großen, potenten aber auch sozial eingestellten Arbeitgeber handelt, dem das Wohl seiner Mitarbeiter und der Familien überhaupt ein besonderes Anliegen ist.

Private und berufliche Vorbereitung
Da ich als einkommensstärkstes Familienmitglied nun für 3 Monate auf staatliche Unterstützung angewiesen war, war es im Vorfeld auch wichtig, die finanziellen Bedürfnisse und Verpflichtungen - so weit möglich - für diese Zeit genau abzustimmen. Meine Gattin konnte ihrerseits in den 3 Monaten die lang ersehnte Weiterbildung in ihrem angestammten Beruf endlich in Angriff nehmen und dazu auch noch in einem neuen Berufsfeld wichtige Erfahrungen sammeln, den "Verlust" des Familieneinkommens aber nur teilweise wettmachen.
Heute kann ich getrost sagen, dass zum allseitigen Gelingen meiner Väterkarenz die optimale private und dienstliche Vorbereitung beigetragen hat. Meinetwegen haben am Arbeitsplatz mehrere Dienstbesprechungen stattgefunden, in denen meine Arbeitsfelder zur Erledigung auf die Kollegenschaft aufgeteilt wurden und ich später auch meine Kolleginnen und Kollegen noch näher in diese Bereiche einwies. Die damalige Abteilungsleiter-Stellvertreterin und jetzige Leiterin der Abteilung Agrarrecht, Frau wHR Dr. Susanne Gyenge, hat in weiterer Folge in beispielhafter Weise in Absprache mit mir dafür gesorgt, dass ich während der Väterkarenz regelmäßig mit Informationen über das Abteilungs- und mein Fachgebietsgeschehen bzw. Allgemeines in der Landesverwaltung überhaupt informiert wurde (Mail oder Telefonat). Auch wurde ich in heiklen Fällen um meine rechtliche Meinung und Einschätzung gebeten. Letztendlich wurde für mich Vorsorge getroffen, wichtige dienstliche Aktenläufe und Informationen nach Ende der Väterkarenz an meinem Arbeitsplatz in elektronischer Form nachvollziehen bzw. nachlesen zu können. Mit Informationen, die nur temporäre Bedeutung hatten, wurde ich gar nicht behelligt, um nicht unnötig Aufwand betreiben zu müssen.
All das hat dazu beigetragen, dass ich nach Ende meiner Väterkarenz ruhigen Gewissens wieder voll und ganz - und ohne sich einem unüberwindlichen Berg an Arbeit gegenüber zu sehen - meine Arbeit mit einem aktuellem Wissensstand wieder antreten konnten, so als wäre ich gar nicht in Väterkarenz gewesen. Die Karenz war aber immer so verlaufen, dass ich den Eindruck gewonnen hatte, durch all die Aktionen weder gestört, noch belästigt worden zu sein. Schließlich hat man als verantwortungsvoller Mitarbeiter in Väterkarenz auch reges Interesse daran, dass die Arbeit auch im Sinne des Abwesenden erledigt wird und nach Ende der Karenzzeit keine „Problemfelder“ zurück bleiben.

Privater und dienstlicher Nutzen
Für mich persönlich hatte die Väterkarenz, die ich allumfassend gelebt habe, viele Facetten, die auch für den Arbeitsalltag von Bedeutung sind. Jedenfalls erfordert der verantwortungsvolle Umgang mit Kleinkindern (nicht nur in der Väterkarenz) Planung, Strategie, Management, Organisation, Verantwortung sowie Konsequenz, Ehrlichkeit und jedenfalls auch Liebe sowie Geborgenheit und Sensibilität, aber auch Spontaneität, Freiraum und Vertrauen, um das Miteinander gedeihlich zu gestalten. Vieles von dem, was auch beim Umgang mit Kleinkindern wichtig ist, kann auch im normalen Arbeitsleben unter Erwachsenen in etwas abgewandelter Form angewendet werden und steigert damit sicherlich auch die Sozialkompetenz, die insbesondere Führungskräften abverlangt wird. Auch wird durch die Einrichtung und das Fördern der Väterkarenz in der Landesverwaltung deren Image und das Betriebsklima aber auch die Motivation als Mitarbeiter und die Bindung zum Unternehmen noch deutlich gesteigert. Letztendlich bringt der Arbeitgeber damit auch deutlich zum Ausdruck, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein bloßes Lippenbekenntnis ist, sondern auch tatsächlich gelebt wird. Im Anlassfall würde ich jedenfalls wieder gerne Väterkarenz in Anspruch nehmen; wenn dies möglich wäre allerdings für einen längeren Zeitraum als 3 Monate, weil die Zeit mit reichen Erfahrungen verbunden ist.
Schlussendlich war es für mich auch eine ganz besondere Freude, dass ich - ausgelöst durch personelle Veränderungen innerhalb der Abteilung Agrarrecht - mit Beginn des Jahres 2010 zum Abteilungsleiter-Stellvertreter dieser Abteilung bestellt wurde. Dies ist ein deutlicher Beweis dafür, dass die Inanspruchnahme von Väterkarenz keinesfalls zwangsweise mit einem „Karriereknick“ verbunden ist.

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